Eine neue Sicht: Perspektivumkehr

Wenn man von "Perspektivumkehr" spricht, muss man sich zunächst darüber klar werden, von welcher Perspektive man ausgeht.

Alte Perspektive

Im Bereich „Freiwilligenmanagement in der Kirche“ gehen wir von unserem gewohnten Umgang mit dem Thema Ehrenamt aus. Im Vordergrund stehen dabei die zu erledigenden Aufgaben.

Die Aufgaben in einer Kirchengemeinde werden fast ausschließlich von drei Faktoren bestimmt: a. von den Vorgaben der Landeskirche (Verkündigung, Seelsorge, Lehre), b. von der Tradition (Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Senioren,...) und c. von den Begabungen und Interessen der Hauptamtlichen. Daraus ergeben sich eine Fülle von Aufgaben, die nur erledigt werden können, wenn Menschen freiwillig mitarbeiten. Der Begriff „Mitarbeit“ charakterisiert das worum es dabei geht: Es werden Menschen gesucht, die bei einer bestimmten Aufgabe mitarbeiten. Der Ansatzpunkt liegt also bei den Aufgaben. Die Ehrenamtlichen könnnen mitarbeiten. Sie dürfen über das „Was“ der Arbeit in der Regel nicht mitbestimmen - manchmal aber über das „Wie“. Dieser Ansatz wird in Zukunft noch viel mehr Bedeutung bekommen: a. weil die Ressourcen der bezahlten Mitarbeitenden immer knapper werden und b. wenn man davon ausgeht, dass die Arbeit möglichst so weiterlaufen soll wie bisher.
Viele Ehrenamtliche sind mit ihrer Mitarbeit in diesem Sinne nach wie vor sehr zufrieden.

Neue Perspektive - "Entdecke die Möglichkeit"

Uns begegnen zunehmend mehr Menschen, die mehr Mitbestimmung wünschen. Sie wollen nicht nur einfach mitarbeiten, sondern einen Teil der Gemeindearbeit selbst (mit-)gestalten.
Perspektivumkehr setzt darum umgekehrt bei den Menschen an, die sich engagieren wollen.
In einem intensiven Beratungsprozess finden wir gemeinsam heraus, welche Begabungen, erlernten Fähigkeiten und Vorlieben jemand hat. Anschließend suchen wir nach einer passenden Aufgabe. Wenn es diese nicht gibt, versuchen wir eine neue zu kreieren. Im Idealfall bestimmen auf diese Weise die engagierten Gemeindeglieder mehr und mehr auch das „Was“ der Gemeindearbeit und damit das Bild der Gemeinde mit.

Alles hat Grenzen

Die Grenzen der Möglichkeiten sind gegeben
a. dadurch, dass wir eine christliche Institution sind. Jeder/jede der /die bei uns mitarbeiten will muss sich dieser Tatsache bewusst sein und sie offen vertreten. Alle Angebote in unseren Räumen sind Angebote einer evangelischen Kirchengemeinde.
b. durch unser Leitsätze
Ein Beispiel: Ein Gemeindeglied hat eine Yogaausbildung gemacht und möchte die erlernten Fähigkeiten gerne in die Gemeindearbeit einbringen. Eine Yogagruppe gibt es bisher nicht. Also überlegt der Kirchenvorstand, ob diese Arbeit zu den Leitsätzen passt. In diesem Fall ist er zu der Überzeugung gelangt: Ja. Zu dem Leitsatz „Wir schaffen Bedingungen, dass Gottes heilende Kraft wirksam werden kann“ passt Yoga unserer Meinung nach sehr gut. Also kommt es in diesem Bereich zu einer guten Zusammenarbeit. (Manch andere Kirchengemeinde würde zu einem anderen Ergebnis kommen).

Perspektivumkehr – im Vordergrund steht der Mitarbeitende

Eigentlich ist dieser Ansatz ein seelsorgerlich-beratender Ansatz. Im Vordergrund stehen nicht die zu erledigen Aufgaben, sondern der Mensch, der sich engagieren möchte. Im Idealfall ändert das die Gemeindearbeit grundlegend. Auch die Rolle der Hauptamtlichen verändert sich. Sie sind mehr und mehr für die Ehrenamtlichen da. Die Ehrenamtlichen übernehmen mehr und mehr die Verantwortung für die Arbeit mit den „Gästen“.
Eine ausführliche Beratung vor der Tätigkeit und intensive Begleitung während der aktiven Phase sind also unerlässlich. Dabei geht es nicht nur darum, den besten (Einsatz-)Platz für jemanden zu finden, sondern auch um optimale Bedingungen. Fragen wie: Wie lange soll der Einsatz verbindlich dauern? Welche Unterstützung von Seiten der Gemeinde wird benötigt (Fortbildung, Etat, weitere Mitarbeiter,…)? sind genauso wichtig.

Konkrete Maßnahmen

Beratung: Einzelberatung, Seminar „Die Richtung des eigenen Lebens entdecken“, weitere Seminare (z.B. vom Diakonischen Werk angebotenes Orientierungsseminar für Berufsaufhörer), Info-Veranstaltungen (z.B. beim Tag der Vereine).
Begleitung: Jahresgespräche, Konfliktberatung, Umfragen (zuletzt Herbst 2007)
Öffentlichkeitsarbeit: www.zeit-schenken.info, Gottesdienste (z.B. Rundfunkgottesdienst 2007), Pressearbeit, Veranstaltungen mit Partnern (Freiwilligenagentur, Nachbargemeinden,…)
Burkhard Grahe

Interview mit dem NDR (ausgestrahlt am 16.03.2008 auf NDR-Info):
Hier finden Sie eine Sendung mit Ausschnitten aus einem Interview, das wir im März 2008 mit dem NDR geführt haben: "Gemeinden üben Perspektivumkehr - Das Projekt Ehrenamt der Landeskirche Hannovers"



Meinungen
  • "Ich arbeite im Kirchenvorstand mit, weil ich dadurch die Gemeinde besser kennen lerne und ihr ein wenig von dem zurückgeben kann, was sie mir gegeben hat."
    Carsten (37)
  • "Wir besuchen Menschen im Seniorenheim, weil sie sich sehr freuen, wenn wir kommen und wir viel Spaß miteinander haben." <a href=/node/51>Interview</a>
    Janine und Kirstin (13 u. 14 Jahre)